Freitag – Tag? Keine Ahnung. Uhrzeit: 7.24! Fuck!! Der Wecker hat doch um 6.30 Uhr geklingelt. Jetzt ist es eine Stunde später und das Kind muss gleich in die Schule fahren. Beginn 8 Uhr. So schnell bin ich noch nie aus dem Bett gefallen. Der Hund, das Kind und ich…wer bin ich, wo bin ich und wenn ja und wie viele? Oder wie gin dieser blöde Spruch, der darauf schließen lässt, dass man total lost ist.
Lost. Nach 9 Stunden Schlaf. So viel! Früher bin ich nach 6 Stunden fit gewesen. Jetzt? Fühle ich mich gerädert. Fertig. Hätte noch bis ins nächste Jahrhundert schlafen können.
Ich frage meinen Sohn: warum bin ich nur so müde?? Er ist zum Glück aufgestanden, fertig angezogen und hat brav auf das Frühstück gewartet. Er hat null damit gerechnet, dass seine Mutter verschläft. „Gestern war wahrscheinlich anstrengend, Mama…“
Gestern? War nicht viel. Oder denke ich das nur? Lass mal nachdenken: mein Leben ist ein Stückeldings. Keine Ahnung, ob es dafür ein Wort gibt. Die Nacht vor dieser hab ich zwei Stunden wach gelegen und hatte seit 2 Uhr Kopfschmerzen. Das ist immer ziemlich schlimm. Nicht die Kopfschmerzen, aber ich reagiere sehr empfindlich auf sowas. Andere würden vielleicht sagen: leichte Kopfschmerzen. Ich: Hammer! Wenn es gegen 5 Uhr ist, schleppe ich mich nach unten und mache mir einen Cappuccino, lege mich auf’s Sofa und atme. Bis ich wieder schlafe oder irgendwer kommt und stört. Das ist bei einer fünfköpfigen Familie ziemlich wahrscheinlich.
Ich schiebe die Kopfschmerzen auf fehlendes Trinken am Tag. Normalerweise, wenn ich im Café arbeiten bin. Aber das war ich doch Mittwoch gar nicht. Ich dachte, ich hätte nichts weiter gemacht. Aber das stimmt neutral betrachtet nicht. Ich war beim Rudern und habe einer Bekannten beim Unterrichten ihrer 12. Klasse geholfen. Nichts getrunken zwischen 14 und…warte mal 18 Uhr. Denn mein Sohn war mit, ist Einer gefahren, danach sind wir zu Lidl. Ich hatte meine Wasserflasche zuhause vergessen. Hab mir eine aus dem Verein geklaut und sogar mit ins Boot genommen. Sprudelwasser. Igitt! Folglich nur ein bisschen getrunken. Ich kriege Sprudel nicht runter. Egal, was sprudelt. Am schlimmsten war es früher im Kino: endlich mal ne Cola und Popcorn! Ich musste ständig aufstoßen…sau peinlich.
Na, gut, Mittwoch war anstrengend. Ich verdurstet und hochkonzentriert im Vierer, in der Hoffnung, dass die Steuerfrau, der ich gegenüber saß und Anweisungen geben musste, uns nicht in den Busch fährt. Ein Vierer voller Anfänger. Mädels. Mädels der heutigen Generation der 17-18jährigen. Ich klinge wie meine eigene Oma: „Die Jugend von heute! Was soll daraus werden?!“ Wir sind eine Runde gefahren. Nur eine. Nicht zwei oder wie gewöhnlich drei. Wir sind locker ohne Kraft im Schneckentempo die Ilmenau rauf und runter. Die Ilmenau fließt durch Lüneburg und wenn wir gar keine Lust oder Kraft haben, treiben wir eine Strecke automatisch ans Ziel. Macht also fast nur eine halbe statt einer ganzen Runde.
Ich will ja nicht meckern, aber ich wundere mich und mache mir Sorgen: Die Steuerfrau war übergewichtig, das Mädchen hinter mir hat kapputte Knie, die Hüfte schmerzt und die Schulter tut auch weh. Ihre Mitschülerin dahinter hat immer wieder anhalten müssen, weil die rechte Hüfte wehtat, so dass ich gesagt habe, dass sie sich nicht stressen und die Skulls einziehen soll, bis es wieder geht. Dann ging es wieder, woraufhin das Mädchen hinter ihr sagte, dass sie auch eine Pause braucht. Ich: „Ja, klar, kein Problem, aber normalerweise geht das nicht.“ Ich hab es nett gesagt, aber es ist schon klar, dass man nicht zum Pause machen da ist und eigentlich kaum was zu tun hat und warum braucht man eine Pause?? Dann ließ sie den Kopf hängen und brach in Tränen aus. Nur leise, aber ich kriege ja leider immer alles mit, ob ich will oder nicht. Das Mädel hinter mir sagte, dass es ihr momentan nicht gut geht.
Oh mann!! Ein Vierer voller Sorgen! Ja, ich mache mir Sorgen. Nicht nur um das Wohlergehen dieser jungen Leute, sondern auch um unsere Zukunft. Ich frage mich, wer die Unternehmen leiten soll, die unsere Wirtschaft tragen? Jugendliche, die nie gelernt haben, sich durchzubeißen, sich auszuprobieren, ihre Grenzen zu testen, laut ihre Meinung zu sagen? Ja…das sind Gedanken, die vielleicht zu weit gehen und ich möchte nicht behaupten, dass es früher besser war, wo wir alle nur funktionieren mussten. Aber der gute Mittelweg? Wo ist der? Die Leute, die selbstbewusst ihren Weg gehen, auch mal Augen zu und durch machen. Die, die andere inspirieren, vor Energie sprühen? Da war kein einziger in dieser Gruppe. Doch, einer. Ein Junge mit viel Potenzial. Ihn sehe ich als Führungskraft mit Herz und Verstand.
Ich glaube, das Problem liegt am System und vor allem an uns Eltern. Wir haben gelitten und wollen, dass es der nächsten Generation besser geht. Sie sollen mitbestimmen können. Alles selbst entscheiden. Und? Sind damit völlig überfordert. Das beobachte ich schon seit dem Kindergarten. Ich hab ja auch keine Lösung, aber natürlich bin ich, wie jede Mutter, von mir überzeugt und mache es richtig 😉 Haha. Naja, zumindest hab ich eine klare Meinung: Kinder brauchen Grenzen, einen stabilen Rahmen, ja, sie dürfen mitbestimmen, aber in Häppchen. Nicht fragen: „Willst du eine Regenhose oder nicht?“, wenn es regnet. Sondern: „Willst du die gelbe oder blaue Regenhose?“. Du stellst sicher, dass das Kind trocken bleibt, aber es hat ein Gefühl von gesehen und gehört werden.
Ist sowieso das wichtigste…gesehen und gehört werden.
Jetzt stört der Hund. Mein roter Faden ist weg. Mensch Bruno! Seufz.
Wo war ich? Eigentlich ja bei den Kopfschmerzen von nachts. Die Nacht nach dem Mittwoch. Der war anscheinend doch stressiger als ich dachte, wenn ich sehe, wie viel Text ich dazu produziere. Normalerweise hab ich solche Kopfschmerzen wie gesagt nach dem Arbeiten. Ich hab gestern die Schicht von 13-18Uhr gehabt. Es war ok. Aber vor allem hab ich darauf geachtet, viel und ständig zu trinken. Heute? Super geschlafen und keine Kopfschmerzen!
Manchmal sind es eben doch ganz einfache Lösungen: mehr trinken. Nicht: Gedankenkino.
Aber der viele Schlaf? Ja. Gestern war auch anstrengend. Anders anstrengend. Das Café…aber vor allem die Einladung. Zum Assessmentcenter. Mit Bindestrich. Assessment-Center. Mit vier „s“. Aber dazu schreib ich dir mehr im nächsten Beitrag. Jetzt brauch ich erstmal Pause. Wie die Mädels im Boot. Vielleicht ist es doch gut und richtig, auf sich zu achten. Vielleicht ist es ein Leben mit mehr Pausen und weniger „müssen“. Muss dies, muss jenes…warum eigentlich? Vielleicht ist es doch ganz gesund, auf sein Bauchgefühl zu hören…vielleicht mach ich es einfach nach. Cappuccino, Gassi im Wald, auftanken, bei mir sein. Bei dir sein. Das sollst du. Auch wenn dieser Text freiweg war, ist vielleicht was für dich dabei. Ein Impuls, ein Gedanke, einmal in dich gehen. Mach mal Pause. Schalte das Draußen und die anderen ab. Atme. Tief. Ein. Und aus.
Genieß den Tag.
Deine Ute