„Träum weiter!“

Donnerstag 8.04 Uhr. Alle aus dem Haus. Ich? Cappuccino mit Herz, Computer auf, Blick in den Garten: alles grün, alles schön. Alles eigentlich in Ordnung. Leise läuft Musik im Hintergrund, nicht zu laut, einfach nur ein Rauschen, das mich beruhigt, meine Gedanken fliegen lässt. Flügel. Dürfen sie haben. Ja, inzwischen ist das erlaubt.

Zu träumen. An sich zu glauben.

Das Internet ist voll davon. Selbstliebe statt Selbstzweifel. Geld folgt der Freude. Mach, wozu du wirklich Lust hast.

Einfacher gesagt als getan, wenn man aus einem Rahmen kommt, wo immer alles vorgegeben war. Lass es lange her sein und ja, ich bin ausgebrochen. Aber der Rahmen existiert nach wie vor. Gesellschaftlich, familiär oder einfach auch nur selbst gesteckt.

Was wäre, wenn?

Wenn du keine Kinder hättest?

Wenn der Job nicht sein müsste?

Wenn du deine Ideen verwirklichen könntest?

Ich sag dir, du würdest schwimmen. Viel zu weit. Treiben, träumen und verloren gehen. Rahmen halten uns. Lassen uns nicht zu weit rausschwimmen. Auf der anderen Seite: warum sollte der Rahmen so wichtig sein? Sicherheit sagst du. Ja…dann nehmen wir die mal weg.

Und nun? Freier Fall?

Aber kein harter Aufprall, sondern Flügel. Du bist frei.

Traust du dich?

Nachts um eins wache ich herzklopfend auf. So ein Albtraum! Nein, nicht das fliegen. Irgendwie war da Bruno, der nicht mehr geatmet hat. Und jemand, der wie meine Tochter aussah und schlief, aber sie war es nicht. Es war fürchterlich. Zum Glück bin ich aufgewacht. Licht an. Völlig fertig.

Um mich abzulenken, rede ich mit ChatGPT weiter über Zukunftspläne. Ja, mit 51 Jahren bin ich auf der Suche. Ich will endlich jemand sein. Ich will stolz auf mich sein. Ich will angeben. Ich will Millionärin werden. Ich will! Alles! Und noch viel mehr! Ja, wie im Song von weiß nicht, wie der hieß. Aber dann…ja, dann! Bin ich glücklich. Dann bin ich wer. Dann habe ich es geschafft. DANN WERDE ICH GESEHEN! In Großbuchstaben, damit du mich auch schon mal hier siehst. Ironisch, ich weiß.

„Wenn du mal drei Monate deine Berufsplanung einfrierst, was würdest du freiwillig tun?“, fragt mich ChatGPT.

Schockmoment.

Wie jetzt? Nicht darüber nachdenken? Das ist mein täglich Brot. Wenn ich damit Geld verdienen würde, wäre ich reich. Ich hätte für Jahrhunderte ausgesorgt.

Ich starre vor mich hin. Es ist dunkel. Mitten in der Nacht und mein Boden wird mir weggezogen. Ich suche Anerkennung, Bestätigung meiner Ideen, ein Hurra, ein „so soll es sein und alles wird gut“, aber Leer lauf?!

Ich fühle mich ertappt.

Und erleichtert.

Drei Monate mal nicht drüber nachdenken müssen. Juni, Juli, August. Erst ab September wieder. Ich sehe einen riesigen Eisblock über den drei Monaten. Es fühlt sich gut an. Eingefroren. Nicht denken müssen. Keine Lösung liefern. Endlich ich. Sein. Dürfen.

Ich weiß nicht, ob du mir folgen kannst. Aber so sieht das Gedankenkino aus und ich weiß, dass es nur Gedanken sind. Yoga hat es mir gelehrt. „Es sind nur deine Gedanken. Du bist nicht deine Gedanken.“ Lass sie los. Naja, das mit dem Loslassen klingt übertrieben einfach. Aber das Einfrieren. Das klingt gut.

Ich kann aber auch nicht anders und muss bei jedem bisschen denken, wie ich das zu Geld mache. Ein Buch schreiben war immer mein Traum. Aber sobald es heißt: ein Buch schreibt man so und so, damit es gelesen wird, damit es sich verkauft…bin ich raus. Zuviel Rahmen. Zuviel Muss. Muss dieses, aber jenes nicht. Wenn ich erst die Regeln des Schreibens lernen muss…bin ich raus.

Ich schreibe, als bin ich. Ich.

Und wieder schießt eine Idee durch meinen Kopf: „Schreibwerkstatt machen, am besten mit Yoga, mit Entspannung.“

Mensch, coole Idee! Vielleicht sollte ich das machen? Im Herbst eine Kreativzeit anbieten. Mit Schreiben, mit Entspannung, mit Yoga ohne Übungen. Wow! Ich kriege RICHTIG VIEL LUST, das zu machen!! Muss gleich mal recherchieren. Umsetzungsmaschine hat meine Freundin mich genannt. Jo, das bin ich.

Warum warten?

Einfrieren. Quatsch!

So. Jetzt muss ich recherchieren, planen, träumen und FLIEGEN! Ich weiß ganz sicher, dass es gut wird. Und wenn es nicht gut ist, ist es nicht das Ende. 😉 Weißt du ja auch. Hoffe ich.

Alles Liebe,

Deine Gute Ute

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