Wenn nichts passiert…

Seitwärts. So geht mein Leben. Wie an der Börse: weder rauf noch runter. Ich beobachte die Entwicklung meines liebsten ETF, der mich endlich schlafen lässt. Aber auch zu Tode langweilt. Seit drei Tagen mal 162 Euro, mal 163 Euro wert. Also ein Anteil. Nicht mein „Vermögen“. Wenn ich eins hätte, würde ich hier nicht laut darüber nachdenken.

Soll ich dich eigentlich dutzen? Sollen dich meine Texte ansprechen oder bleibst du auch so bei der Stange? Meine Freundin findet es schön, wenn ich zwischendurch in Du-Form schreibe. Aber dann bin ich bei dir und nicht bei mir. Ich will ja kein anderer sein und nur ich. Ich will nicht gestört werden. Ich will in Ruhe meinen Gedanken nachhängen, egal was du denkst. ABER ich will dich auch erreichen. Ich will gleichzeitig, dass du auf deine innere Stimme hörst. Das will ich immer, denn alles andere macht krank. Und weil ich ein Helfersyndrom habe, lässt es mich selbst beim Schreiben nicht kalt, was du denkst. Nur, wenn ich dann am Ende des Textes einen Aufruf zum Kommentieren schreibe, wird ja auch nicht reagiert. Also lohnt es sich nicht. obwohl ich weiß, dass es dich berührt. Aber du bist still und leise. Beobachtest und lässt die Worte sacken. Ich weiß es zu schätzen, aber verzeih, wenn ich dann in Ich-Form bleibe, weil ich nicht du bin und von dir nichts höre.

Das ist ok für dich und für mich.

Stille.

Die Worte sind weg.

Schreibblockade? Nein.

Angenehme Leere. Endlich alles raus.

Lust auf dichten? Ja. Ideen? Nein.

Hab ja extra eine Spalte mit Poetry, denn so heißt das doch, wenn sich die Zeilen zum Reimen fügen. Poetry Slam, wenn Leute auf der Bühne stehen und mit Wörtern um sich schmeißen. Vor allem junge Leute. Oder auch wie ich? Nie im Leben hätte ich mich mit 19 Jahren auf eine Bühne gestellt und so athentisch mit Worten geschmissen. Ich wäre ziemlich sicher geächtet worden.

Ich hatte mal in der 12. Klasse einen Miniaufstand in Deutsch versucht. Goethes Faust sollten wir auseinandernehmen. Ich habe mir erlaubt zu sagen, dass man mit einer bestimmten Passage alle Kriege rechtfertigen kann und dass es quasi nicht in Ordnung ist, was er da geschrieben hat. Tja. Kannst dir vielleicht vorstellen, wie ich zusammengefaltet wurde. Ich habe meine Stimme erhoben, habe diskutiert und…war nicht stark genug. Ich wollte brav und nett sein. Ich wollte alles richtig machen. Ich dachte tatsächlich, dass ich das toll interpretiert hätte. Pustkuchen.

Heute? Wird mir gesagt, wie toll es ist, dass mal jemand sagt, wie es ist, dass ich so gut abstrahieren kann und erkenne, wo es in der zwischenmenschlichen Kommunikation hakt. Könnte man ja einen Job draus machen…aber nee, danke. Mich strengt das fürchterlich an. Eine Bekannte ist Kunsttherapeutin und stuft mich als hochsensibel ein. Ich stufe mich nirgends ein. Ich passe in keine Schublade. Will ich auch nicht. Schubladen sind eng und voll. Die mit den Hochsensiblen besonders. Denn das ist heutzutage jeder zweite.

Du nicht? Doch bestimmt! Sonst hättest du nicht diesen Blog gefunden und bis hier gelesen. Hab ich dich? Dann komm doch mit in meine Schublade. Ich mach einfach eine neue. Eine große! Eine, die gemütlich ist. Mit Kaffeemaschine, Blumen, Törtchen, Licht und Deko. Jetzt wird es besondrs bequem und merkst du was?

Wir haben ein Problem.

Schubladen sind so schön bequem!

Draußen ist es unbequem, man muss laufen und fliegen lernen. Man weiß nicht, was da ist. Man trifft Leute aus anderen Schubladen, aber ob man mit denen klarkommt, ist ungewiss. Deshalb bleiben wir lieber hier stecken. Und bewegen uns seitwärts…wie mein ETF.

Denk mal nach…

Deine Gute Ute

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